Bruder Jakob, schläfst du noch?

Suizid darf kein Tabuthema sein.

Jedes Jahr sterben etwa zweieinhalb Mal mehr Menschen in Österreich durch Suizid als im Straßenverkehr. Für die Zurückbleibenden ist ein solcher Verlust eine traumatische und sehr schmerzhafte Erfahrung. Ihr Leben ändert sich dadurch oft tiefgreifend und langfristig. Ein Teil von ihnen entwickelt depressive Symtpome und sie gelten sogar als Risikogruppe für suizidales Verhalten. Obwohl diese Thematik jährlich tausende ÖsterreicherInnen betrifft, umgibt sie immer noch eine Mauer des Schweigens. Dabei bräuchten betroffene Hinterbliebene oft Hilfe, um mit den Folgen des Verlusts zu Rande zu kommen.

Psychische Erkrankungen, allen voran Depressionen, stehen sehr häufig im Hintergrund, wenn ein Mensch sich das Leben nimmt. Die WHO geht davon aus, dass etwa 50% aller schweren Depressionen unbehandelt sind, obwohl sie gut therapierbar wären. Die persönlichen und sozialen Kosten der unbehandelten depressiven Erkrankungen sind enorm. Viele Betroffene schämen sich dafür, psychisch erkrankt zu sein und scheuen den Kontakt zum psychosozialen und medizinischen Hilfssystem. Mehr öffentlicher Diskurs über die Thematik psychischer Erkrankungen und die entsprechenden Hilfsmöglichkeiten ist dringend erforderlich, um viel unnötiges menschliches Leid zu vermeiden und zu helfen.

Der aus Tirol stammende Regisseur Stefan Bohun hat in der Dokumentation "Bruder Jakob, schläfst du noch?" den Suizid seines Bruders verarbeitet. Dieser wirklich sehr sehenswerte Film wurde am 4. Oktober als Tirolpremiere im Innsbrucker Leokino gezeigt.